Re: Tanz der Vampire
von Eclipse » Mi 11. Jan 2012, 10:17
Tanz der Vampire Show -review vom 10.01.2012
Meine Cast:
Krolock – Florian Soyka
Sarah – Amélie Dobler (Erstbesetzung)
Prof. Abronsius – Veit Schäfermeier (Erstbesetzung)
Alfred – Anton Zetterholm
Chagal – Kai Hüsgen (Erstbesetzung)
Magda – Goele de Raedt (Erstbesetzung)
Herbert – Marc Liebisch (Erstbesetzung)
Koukol – Stefan Büdenbender (Erstbesetzung)
Rebecca – Barbara Raunegger (Erstbesetzung)
Ich kenne die Show in all ihren Varianten mittlerweile so auswendig das ich alles mitsprechen kann, jedoch war es mein erstes Mal das ich die Show live auf einer Bühne sehen durfte.
Seit mehr als 10 Jahren war ich nicht im Theater des Westens. Als ich dann wieder die ganzen Spiegelwände, Kristallkronleuchter und den Stuck gesehen hab war es wie in einem Traum in dem man ein Märchenschloss betrat. Ich hatte Karten für den Hochplatz, linke Seite. Mein Vater sagte mir vorher dass das eigentlich die besten Karten sind, obwohl sie billiger sind als die meisten. Er behauptete es wäre sogar besser als unten zu sitzen. Ich glaubte ihm kein einziges Wort!
Dann betrat ich kurz vor dem ersten Gongzeichen den Saal, habe mich auf einen falschen Platz gesetzt, wurde dann glücklicherweise von den freundlichen Staffmitglieder auf meinen Platz geführt. Und dann begriff ich...mein Platz war der idealste den man sich vorstellen kann. Man kann von oben bis hinten auf die Bühne gucken, sieht alle Gesichter klar und deutlich (gerade Mimiken etc.) und man kann alles überschauen und sieht wahrscheinlich mehr als 70% der Zuschauer die in irgendwelchen Ecken saßen oder eben weiter hinten. Dazu kam das in meiner Reihe (an der Seite gibt es nur eine Reihe) kaum jemand wodurch ich genügend Platz hatte für meine Sachen. Außerdem bedeutete dass das ich mich über die Brüstung lehnen konnte wann ich wollte. Ich werde definitiv für das nächste TDV im Februar auch wieder diese Karten kaufen!
Es ging los. Ich hatte keine Ahnung welche Besetzung ich nun hatte, nur das angeblich Amélie die Sarah sein sollte und irgendeine Drittbesetzung den Krolock. Bei He Ho wunderte ich mich die ganze Zeit wer dieser Alfred ist. Ich hatte zu dem Zeitpunkt keine Ahnung das ich DEN Anton Zetterholm hatte. Als es dann mit Knoblauch los ging machte ich innerlich Freudensprünge! Ich hatte die wunderbare Barbara Raunegger als Rebecca! Die Magda war auch schon in ihren kleinen Momenten bei Knoblauch toll, ich wusste nicht das es Goele de Raedt war, die ich bisher nicht weiter kannte. Und es ging weiter mit den Glücksgefühlen! Ich begriff das Anton Zetterholm Alfred war, der Darsteller, den ich wenige Tage vorher mir nicht in meine Besetzung wünschte! Doch er hatte mich nach wenigen Sekunden komplett eingenommen und gewonnen. Er ist brillant! Er gehört zu den wenigen Alfreds die ich mir immer wieder ansehen würde. Gerade im zweiten Akt, besonders sein herzergreifendes Für Sarah, legte noch einmal richtig zu und war gesanglich in der ersten Liga. Angst hatte ich, vor einem schlechten Abronsius. Die Figur ist einfach pures Entertainment, und keinen guten Darsteller für ihn zu haben ist äußerst schlimm. Doch, um auch ein bisschen vorauszuschauen, er gehört mit Stefan Poslovski zu den besten Abronsius Darstellern die ich bisher sehen durfte. Er hat diese alte, tüttelige Art einfach verdammt realistisch herübergebracht und mich mit seinem Charme andauernd zum Lachen gebracht.
Nun zu Amélie Dobler. Nach der Bekanntgebung und dem TV-Auftritt war ich wenig angetan von ihrer Interpretation. Dementsprechend hatte ich immer ein Auge mehr auf ihr. Was auch immer sie für Voodoo Zauber betreibt, sie hat mich völlig verhext. Ihre stimme ist klar wie Eis und verdammt stark, ihre Mimik und Gestik ist bezaubernd und sie sieht aus wie eine Sarah. Mittlerweile verstehe ich das sie Erstbesetzung geworden ist. Ihr Rote Stiefel/Stärker als wir sind war zerschmetternd. Sie hat die Töne verdammt lange mit der selben Stärke singen können und hat, so denke ich, auf jeder Linie überzeugen.
Die meisten wollen bestimmt wissen wie mein Drew-hat-frei-Krolock-Ersatz war. Ich war skeptisch und gespannt, da ich den Namen Florian Soyka noch nie vorher gehört hatte. Für alle die, die auch eine Vorstellung mit ihm haben werden. Macht euch keine Gedanken das ihr keinen Drewlock sehen werdet. Florian ist Erstbesetzungsniveau und hat das Publikum absolut begeistert! Seine Interpretation von Krolock war perfekt, einfach umwerfend. Sein Gott ist tot (auch wenn ich den Song jetzt nicht so exzessiv gern höre) war eins der Highlights des Abends für das Publikum und mich. Er hat eine Stimme wie schwarzes Samt und hat mich ganz traurig gemacht bei Gott ist tot. Also definitiv ein Pracht-Krolock.
Ein Problem was anscheinend vor wenigen Wochen noch mit dabei war, wurde anscheinend behoben. Die meisten Parts in den das Ensemble gesungen hat sollen sich nicht gut angehört haben durch schlechte Lautstärke und Technikprobleme. An dem Abend war der Chor aber mit bester Kraft dabei.
Jetzt zur Produktion an sich. Ich hatte etwas Angst weil ich nicht genau wusste welche TdV Version aufgeführt wird. Und gottverdammt, gestern war ich so glücklich das nicht nur alle Schauspieler perfekt waren sondern auch das drum rum. Es würde glücklicherweise NICHT die neue Wienerfassung aufgeführt. Die Show mixte alles gute der alten Versionen (Stuttgart, Hamburg) also Bühnenbilder, Kostüme und das Showintro mit wenigen Technikelementen der Wienerfassung, also das drehbare Haus, die neuen Türen für das Gasthaus.
Der gute alte Wendeltreppenballsaal wurde benutzt anstatt die Legokulisse aus Wien. Der gute Verstand hat also in Berlin gesiegt. Die, aus meiner Sicht, unästhetischen Elemente in Wien wurden nicht verwendet nur die Projektionen z.B. das Schloss wurde anscheinend grafisch überarbeitet. Auch wenn die Bühne natürlich kleiner ist als z.B. im Palladium Theater wirkte alles wesentlich intimer und durch die Megakulissen noch eindrucksvoller. Noch eine kleine Sache nebenbei, kleine Sachen die man bei jedem Standort anders lösen musste:
Die Vampire die kurz vor der Begrüßung Krolocks vor dem Schloss erscheinen, waren nicht im Publikum sondern auf den zwei großen Balkons für den glaub ich keine Karten verkauft werden.
Das Wirtshaus drehte sich nicht mehrere Male bei Gebet wie albernerweise in Wien sondern nur einmal um die andere Seite zu zeigen, wo auch Anton bei dem Dachkreuz saß.
Koukol wurde nicht von Wölfen getötet sondern hörte einfach genervt auf den Flüchtenden zu folgen und verschwand in der Dunkelheit. Es wurde trotzdem die alte Hügelkulisse benutzt.
Um mich kurz zu fassen, die aktuelle Berliner Produktion ist einfach das Musicalhighlight schlechthin. Ich wünsche mir oft das in Wien auch wieder diese Fassung gespielt wird. Ich war einfach begeistert von den starken Leistungen aller Darsteller!
Ps.
Es gab schockierenderweise keinen Patzer bis auf eine Stelle. Ich musste mir das Lachen verkneifen weil Veits Ausdruck so süß war! Bei Knoblauch kurz bevor Karl sang „Ich zeige den Herren jetzt ihr Zimmer“ nahm einer der Darsteller den Schal und den Hut von Abronsius ausversehen mit einem Kick mit und sie lagen am Bühnenrand. Daraufhin schaute Veit die ganze Zeit verwirrt Anton an bis sie oben im Haus standen. Er schaute die ganze Zeit auf seine leeren Hände xD ein Bühnenarbeiter nahm im Dunkeln bei der Badeszene die Sachen weg.
Der Glöckner von Notre Dame - Berlin 1999
Aida - Berlin 2006
Hair - Museumshafen Greifswald 2006
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